Tag 7: Pastow – (nördlich von) Retschow (09.07.2021)

Nach dem gestrigen Abend hatte ich ernste Zweifel, was ich denn heute überhaupt schaffe. Die Versuchung war sehr groß, einfach nur die 8 km zur Herberge in Rostock zu gehen, insbesondere da die Alternative ca. 30 km bis Bad Doberan wäre.

Heute morgen fühlte ich mich jedoch voller Energie, so dass ich mir fest vornahm heute die 30 km zu schaffen.

Um 8:10 Uhr ging es los. Leider viel an Hauptstraßen entlang mit Ampeln, die mich ausbremsten. So war ich zunächst froh, als der Weg ein Stück durch einen Wald verlief. Meine Güte Stimmung verflog sogleich als die Attacke der Mücken begann. Zeitweise hatte ich 4-5 Mücken an jeder Wade… dazu noch welche, die meine Unterarme als Blutsammelstelle nutzen wollten.

Froh war ich, als ich endlich wieder an die Straße kam, ohne Mücken. Hierbei entdeckte ich eine Kirche, in dessen Kirchenschiff offenbar Wohnungen gebaut wurden.

Eine Kirche mit Wohnungen?

Weiter ging es den Markierungen nach bzw. wo es keine gab, da half der GPS-Track.

Gegen 10 Uhr kam ich dann an der Herberge an, viel zu früh um einzuchecken, also sollte es weiter gehen.

Google Maps zeigte mir an, dass entlang des Jakobsweges am Ende von Rostock eine Jet-Tankstelle liegen soll. Ich freute mich schon auf eine Cola und etwas zu essen.

Leider war die Wegführung kurz vorher wegen einer Baustelle gesperrt, so dass ich einen anderen Weg nehmen musste. Immerhin sollte dort eine Bar sein. Es war 10:40 Uhr als ich dort ankam und sie öffnete erst um 11:00 Uhr. 20 Minuten warten für eine Pause? Nicht mit mir! Und so ging ich weiter, verließ Rostock und machte dann um 11:10 Uhr, nach drei Stunden und 12 km meine erste Pause.

Für solche Fälle habe ich seit meinem Einkauf in Sanitz Müsliriegel dabei. Zusammen mit einem Apfel bildete das meinen Vormittagssnack.

Ich ging daraufhin noch sieben weitere Kilometer bis zur Mittagspause, bestehend aus noch einem Müsliriegel. Kurz zuvor hatte es leicht angefangen wenige Tropfen zu regnen. Das störte mich nicht weiter. Als es dann aber während der Pause zumindest nieselte, entschied ich, mein Regencape einzuweihen. Lange war dies nicht notwendig und so warf ich es einfach hinter mich über den Rucksack, echt praktisch! Ich überprüfte die vor mir liegende Strecke mit Google Maps und es schien so als wäre sie kürzer als erwartet, keine 30 km heute!

Ich folgte den Weg am Waldrand entlang und sah rechts immer mal wieder Abzweigungen, doch immer stand dort „Waldweg gesperrt“. Und so folgte ich dem Weg weiter und weiter. Als ich dann irgendwann auf mein Handy schaute, erschrak ich, denn ich hätte im Wald doch irgendwo ab gemusst. Das Hinweisschild galt vermutlich nur für Autos…

Zur Wegführung ist zu sagen, dass sie hinter Rostock Richtung Norden/Nordwesten führt, bis nach Bad Doberan und dann wieder nach Süden/Südwesten nach Retschow. Nun war ich schon fast den halben Weg nach Retschow gegangen, also entschloss ich mich bei der dortigen Herberge anzurufen, leider nahm niemand ab, bei keinen der beiden Nummern, die ich recherchierte.

Und so entschied ich mich mittels Google Maps zurück Richtung Jakobsweg, der nach Bad Doberan führte. Mein Umweg sollte so maximal 1 km betragen. Bereits gestern hatte ich schon versucht, in Bad Doberan jemanden für die Pilgerherberge zu erreichen. Auch heute waren mehrere Anrufe vergeblich. Und so googlete ich auch hier nach Alternativnummern und erreichte tatsächlich jemanden, nur um zu erfahren, dass der zuständige Diakon im Urlaub ist und die Pilgerherberge deshalb nicht zur Verfügung steht.

Ich recherchierte schon die teuren Hotels in Bad Doberan als ich einen Anruf bekam. Es war eine der Nummern bzgl. der Herberge in Retschow (bzw. leicht nördlich davon). Es war der Neffe der Inhaberin. Er schickte mir per SMS ihre Nummer, ich rief an und hatte einen Schlafplatz 🙂

Da ich aber leider nicht mehr zu einem Supermarkt kam, fragte ich nach Essensmöglichkeiten. Sie teilte mir mit, dass sie ein paar Reste zum Kochen hat.

Frohen Mutes ging ich die nun vor mir liegenden 6,5 km, leider teilweise durch einen Wald mit vielen Mücken, aber hey, bald würde ich ankommen!

Waren in den letzten Tagen die letzten 2-4 km besonders hat, ging ich heute mit einer gewissen Leichtigkeit. Es mag auch am Wetter liegen, schön bewölkt, keine Sonne!

Gegen 17 Uhr kam ich an. Auf den letzten paar hundert Metern goss es plötzlich stärker, so dass ich mein Regencape richtig anzog.

Hier beim Gutshof Conrad (Ausbau 10, Retschow) wurde ich freundlich begrüßt. Die Vorräte bestanden aus Nudeln, verschiedenen Soßen, Würstchen etc., also mehr als genug. Dazu gab es selbstgemachten Saft. Alles für einen kleinen Preis.

Geschlafen wird oben, auf Sofas, Matratzen oder im Heu.

Der „Schlafsaal“

Die Herbergsmutter fragte mich, ob ich Eier möchte für das Frühstück morgen. Dies lehnte ich dankend ab, da ich nicht vor hatte morgen früh nochmal zu kochen und ich sowieso nur leicht frühstücke, um dann später was zu essen. Als ich später wieder in die Küche kam, stand dort ein kleiner Korb mit 3 Eiern, einem Apfel, Erdbeeren, Melone usw. Ich war so baff und happy, dass ich direkt eine Erdbeere naschte (und später noch ein paar mehr). Die übrigen will ich mir für morgen früh übrig lassen. Jetzt werde ich mir morgen früh also doch ein paar Eier machen 🙂

Der Frühstückskorb (eine Erdbeere fehlt schon)

Heute hatte ich das erste Mal das Gefühl, als würde mein Körper ganz alleine gehen, einfach toll. Und so ging ich wegen der Irrungen und Wirrungen letztlich doch 30 km, habe Bad Doberan aber übersprungen/umgangen
und für morgen ein paar Kilometer gespart. Zum Abschluss ein paar Wegimpressionen von heute.