Tag 5: Kölzow – Sanitz (07.07.2021)

Es gibt so Tage, da hasse ich den Rucksack. Heute war wieder so ein Tag, aber von vorne:

Da nicht alle Herbergen Vorhänge haben, werde ich meist bereits wach, sobald die Sonne aufgeht, irgendwann so zwischen 4 Uhr und 5 Uhr. Der Schlaf danach ist meist eher unruhig. Aber es hilft ja nichts, morgens geht es wieder los. Heute war auch so ein Tag, wo ich nach dem Frühstück (ok, es war nur ein Apfel, aber auf mehr hatte ich einfach keinen Hunger), mit mir und dem Rucksack hadere. Sicherlich hätte ich locker schon um 8:00 Uhr losgehen können, aber der Gedanke an den Rucksack… Naja, so verschob sich der Start auf 8:30 Uhr.

Kaum hatte ich den Rucksack auf Hüfte und Rücken war es gar nicht so schlimm wie ich es mir vorgestellt hatte.

Das Wetter war auch sehr angenehm: bewölkt, nicht zu warm, nicht zu kalt. Dennoch war der heutige Tag ein schwieriger Tag; zwar lief der Körper zwischendurch schon eigenständig, ohne dass ich ihn antreiben musste, aber der Kopf wollte heute nicht so recht. Auch wenn der heutige Tag nur 15 km von mir abverlangte, waren es sehr lange 15 km.

Nach etwa 6,5 km machte ich eine erste Pause. Diese ging mit etwa einer Stunde etwas länger als geplant, u.a. weil ich in der Pause auch telefonierte, aber ich brauchte das heute irgendwie.

Ich experimentierte auch weiter mit den Einstellungen des Rucksacks und bekomme es nun recht gut hin, das Gewicht je nach Gelände und körperlichem Empfingen mehr auf dem Schultern oder mehr auf die Hüfte zu verteilen.

Sehr viel Aufmerksamkeit schenkte ich der Landschaft heute nicht, auch weil mitunter wieder viel Beton und Straßen dabei waren; hin und wieder gab es aber auch eine schöne Feldlandschaft.

Viel Beton.
Hin und wieder schöne Blumen.
Und manchmal gab es auch angenehme Feldwege.

Auf was ich heute aber hätte verzichten können, waren die Waldwege. Nicht weil ich Waldwege nicht mag, im Gegenteil, aber immer dann, wenn ich in ein Stück Wald ging, kamen die Mücken!

Nach einer weiteren Pause und dem Durchkämpfen auf den letzten Kilometern wurde ich kurz vor 14 Uhr freundlich vom Pastor in Sanitz empfangen. Etwas überrascht, dass ich schon da sei, bot er mir an, im Gemeindehaus meinen Rucksack abzulegen, wies aber noch daraufhin, dass bis 16:30 Uhr Veranstaltungen sind.

So nutzte ich die Zeit, in ein etwa 600 m entferntes Café zu gehen und für heute Abend und morgen früh einzukaufen. Da ich gefühlt deutlich zu wenig trinke, habe ich auch verschiedene Getränke mit Geschmack (und Zucker) besorgt. Außerdem hatte ich so Zeit über den gestrigen Tag zu schreiben und den Blogeintrag für den heutigen Tag soweit vorzuschreiben. Manchmal ist es schon recht entspannend, wenn man keine Termine hat 😉

Nachdem ich ins Gemeindehaus durfte, um meinen Schlafplatz einzurichten, gab es sogar noch Kuchen, der übrig geblieben war.

Lecker Kuchen!
Mein heutiger Schlafplatz, sieht sehr ähnlich aus wie der gestrige, außer dass ich heute Spielzeug neben dem „Bett“ habe 😀

Zur großen Überraschung kam am Abend mit Michaele noch eine Pilgerin, so dass sich wieder ein Abend mit tollen Gesprächen und einer Übernachtungsmöglichkeit in Duisburg ergab. So langsam glaube ich, dass mich mein Weg von Dortmund durchs Ruhrgebiet nach Aachen führen wird, da sich auf der Strecke immer mehr Übernachtungsmöglichkeiten ergeben.

Liebe geneigte Leserin, lieber geneigter Leser (das wollte ich schon immer sagen :D), heute war ein Nörgeltag, der Körper ist noch nicht ganz auf das tägliche Wandern eingestellt und der Kopf macht auch noch nicht immer mit. Das gehört dazu!

Verschiedene Menschen haben mir in den letzten Tagen viel Spaß gewünscht beim Pilgern. Naja, Spaß hat es heute während des Pilgerns nicht gemacht, aber es ist auf dem Pilgerweg wie auf dem Lebensweg: Es gibt Höhen und Tiefen, und ohne die Tiefen kann man die Höhen nicht richtig schätzen.